Friday, October 06, 2006

Erlebt: Gondry's neuesten Streich: "The Science of Sleep"

War gestern im Kino, wollte mich eigentlich mit Lani, nem Kumpel aus meiner Sprachphilosophie-Vorlesung treffen, im, so weit ich es absehen kann, einzigen alternativeren Kino Honolulus. Heisst "Varsity" und spielt keine Blockbuster. Dafuer aber ordentliche Filme!
So auch der Film gestern: Michel Gondry's neuster Streich, diesmal komplett allein unterwegs, als Regisseur und Drehbuchautor. Titel des Films "Science of Sleep", in deutschen Kinos unterwegs als "Anleitung zum Traeumen" - seltsam-harmloser-nichts-sagender Titel, das gleiche Problem wie bei Gondry's bekanntesten Werk "Eternal Sunshine of the spotless Mind", der als "Vergiss mein nicht" nach Dtl kam.
Ohne die Geschichte erzaehlen zu wollen, kurz nen paar Zeilen zur Hauptfigur: die ist Stephane, der eigentlich in Mexiko lebt, aber von seiner Mutter wieder in sein Geburtsland, nach Frankreich "gelockt" wird. Stephane ist echt ne tolle Figur: er ist nen notorischer Schlafwandler und Verrueckt-und-viel-Traeumer, auch Tagtraeumer, der oft nicht zwischen Traum und Realitaet unterscheiden kann. Fast logisch erscheint daher, dass er mit seiner bluehenden Phantasie Kuenstler wird, mit normalen Mensch mit Job hat er ja eher Probleme, die Konzentration versagt, er ist verwirrt, hektisch, luegt viel, baut sich irgendwie seine eigene Welt inklusive seiner selbst. Im Film klasse eingebaut, scheint man durch die Augen Stephane's die Welt zu sehen: was Realitaet ist scheint ab einem bestimmten Punkt nur noch ueber Ad-hoch-Hypothesen greifbar.
Trotz (oder auch gerade wegen) all der Stolpersteine auf seinem Weg, scheint er ne spannende Person geworden zu sein, mit vielen Facetten, kein Stereotyp, sehr individuell, er muss sich in seiner verworrenen Welt ohne wirkliche Realitaet immer wieder suchen und finden.
Und das ist es auch was mir den Film so spannend macht. Er verlangt von einem, sich mal wieder zu suchen, den Versuch sich zu finden, an sich rumzubauen; und das nicht nur in Extremsituationen, sondern im Alltag, quasi immer. Also nicht stundenlang (wie es mir - und vielen anderen - so oft passiert) im Internet auf den immer gleichen Seiten rumzusurfen und sich den taeglich Brain-Fuck bei Nachricht und Witz im Netz zu holen, voellig ausser sich stehend einfach bloss zu reagieren, auf Umgebung.
Entsprechend gedankenversunken bin ich nach dem Film dann wieder in die Realitaet eingetaucht - ohne das sich viel um mich herum veraendert hatte. Schwierig das Bewusstsein fuer so was aufrecht zuerhalten, gegen die eigene Stumpfsinnigkeit zu revolutionieren, gerade wo es mir doch meistens scheint, dass meine Welt eigentlich keinen Raum dafuer hat, fuer andere, schnellere Sachen ausgelegt ist.
Gut, neben dem Brocken an "zutiefst-in-die-Persoenlichkeit-des-Zuschauers-einschneidenden" Elemeten ist der Film einfach nur gut gemacht, hat tolle Schauspieler, sehr "Kunst"-Massenkino, gespickt mit vielen Elemente, die auf die Gesichter von Studenten der Kognitionswissenschaft immer wieder kleine Smilies zaubern sollten.

Hier noch der Trailer:


Finde zwar, dass der Trailer den Film zu sehr auf die Liebesgeschichte reduziert; was der Trailer aber doch richtiger Weise zulaesst, ist das Gondry mal wieder nen paar nette Bilder auf die Leinwand gezaubert hat.

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